Pfahlbauten


Pfahlbauten Unteruhldingen (P. Berktold, 2024)

Allgemeines

Pfahlbauten gehören zu den ältesten Wohnräumen des Menschen. Sie existieren bereits seit der Jungsteinzeit, das heißt, seit mindestens 7000 Jahren. Sie wurden in einer speziellen Bauweise am Ufer und in flachen Stellen von Gewässern errichtet. Insbesondere im Alpenraum sind viele Siedlungen gefunden worden. Die Siedlungen bestanden aus 10 bis 100 Einzelbauten in denen bis zu 250 Personen lebten. Obwohl oftmals Dörfer aufgegeben und an anderer Stelle wiederaufgebaut wurden, waren diese einheitlich organisiert und besaßen Infrastruktur, was auf ein hohes Maß an Zivilisation schließen lässt.

 

Pfahlbauten vs. Feuchtbodensiedlung

Im 19. Jahrhundert, zu Beginn der Forschungen, fand man Überreste von Pfahlbausiedlungen ausschließlich im tiefen Wasser. Daher ging man davon aus, dass diese Siedlungen in der Mitte des Sees angelegt worden waren. Doch bald zeigten neue Erkenntnisse, dass die meisten Siedlungen am Seeufer angelegt worden waren. Diese nannte man Feuchtbodensiedlungen. Doch auch die These, dass alles Feuchtbodensiedlungen waren, ist mittlerweile überholt. Heutzutage unterscheidet man zwischen „echten“ Pfahlbauten, die im flachen Wasser standen und Feuchtbodensiedlungen, am Ufer. Im tieferen Wasser kamen Pfahlbausiedlungen dagegen kaum vor.

 

Zweck der Pfahlbauten

Die echten Pfahlbauten dienten vor allem zum Schutz vor Raubtieren und sonstigen Feinden sowie zur Erleichterung der Fischerei. Feuchtbodensiedlungen boten diese Vorteile ebenfalls, allerdings in geringerem Maße. Zudem waren sie besser gegen Überschwemmungen geschützt als Gebäude ohne Stelzen.

 

Bauweise

Für den Bau wurden zunächst an geeigneten Stellen, an denen das Wasser flach ist und der Untergrund weich, Pfähle in den Boden gerammt. Diese waren 10 bis 30 Zentimeter dick und bis zu 6 Meter lang. Üblicherweise wurden sie in zwei parallelen Reihen angeordnet und mit Steinen verankert. Dann wurden Wände und Boden an die Pfähle gebaut. Schließlich wurde die Decke oben angefügt. Wände und Boden bestanden meist aus mit Lehm verputzten Holz, die Decke dagegen aus Stroh.


https://de.wikipedia.org/wiki/Pfahlbau#/media/Datei:Must_Farm_house_profile.svg

Archäologie

Im Gegensatz zu Siedlungen auf dem Land sind alle Arten von Pfahlbausiedlungen noch gut erhalten, da sie versanken und durch das Wasser konserviert wurden. Auch für Unterwasserarchäologen sind die versunkenen Siedlungen interessante Forschungsobjekte. Ihre Erforschung begann bereits im 19. Jahrhundert und prägt bis heute unser Bild von Bronze- und Jungsteinzeit. Pfahlbauten kommen in sehr vielen Seen im Alpenraum vor, allerdings nur selten in steileren Bergseen. Wichtige Fundorte in Deutschland sind beispielsweise der Bodensee und der Starnberger See.

 

Quellen:

https://www.unesco-pfahlbauten.org/fileadmin/media/pfahlbauten/PDF/Broschuere_Weltkulturerbe_Pfahlbauten.pdf

http://www.geschichte-schweiz.ch/pfahlbauer-pfahlbauten.html

https://www.praehistorische-archaeologie.de/thema/siedlungsarchaeologie/pfahlbauten/

 

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